Wenn die Ente beim Pony einzieht

Das Schottische Hochlandrind geniesst die Zuwendung von Christian Klaus. Bild Otto Graf
Das Schottische Hochlandrind geniesst die Zuwendung von Christian Klaus. Bild Otto Graf

Christian Klaus betreut über 20 Tierarten im «Weihermätteli»

Der Tierpark Weihermätteli in Liestal ist als Naherholungsgebiet beliebt. Das von Christian Klaus geleitete Team betreut über 20 Tierarten. Dank des Zuchtprogramms für seltene Rassen nehmen die Jungtiere breiten Raum ein, sehr zur Freude der Kinder.

Otto Graf

Klein, aber fein kommt der Tierpark Weihermätteli in Liestal daher, ein Bijou, zu Fuss ab Bahnhof Liestal über die Munzachstrasse in zehn Minuten oder mit dem Bus der Linie 78, bis Haltestelle Munzach, erreichbar. Während der Basler «Zolli» allgemein bekannt ist, ist dies beim «Weihermätteli» weniger der Fall. Zu Unrecht, wie die Tatsachen zeigen. Denn die rund fünf Hektaren haltende Anlage befindet sich in einem idyllisch gelegenen Park. Es ist eine Oase der Ruhe am Waldrand, geprägt von den Tiergehegen und Stallungen, aber auch von einem halben Dutzend Teichen, Matten, Gehölzen und Weiden.

Im Zentrum steht der von Christian Klaus geleitete Tierpark, in dem über zwanzig verschiedene Arten gehalten werden. Einen besonderen Blickfang, schon wegen seiner Grösse und der langen geschwungenen Hörner, stellt das Schottische Hochlandrind dar. Derzeit tummeln sich auf der Weide neben ihren Müttern zwei noch etwas scheue Jungtiere, die im August zur Welt kamen, während ein zweijähriges Rind bereits recht zahm ist und die Streicheleinheiten des Meisters wohlig geniesst.

Die Herde der Sika-Hirsche, der kleinsten Hirschart, hingegen zeigt mehr Respekt vor dem Menschen. Doch als Christian Klaus ein paar Haselnussstauden in das Gehege bringt, machen sich die Tiere sogleich an den Leckerbissen heran, wahren aber dennoch eine gewisse Distanz zum Überbringer des Futters. «Der Sika-Hirsch ist und bleibt ein Wildtier», begründet Klaus das Verhalten der Hirsche.

Weit oben in der Gunst des Publikums, sagt der Tierparkleiter aus Gelterkinden weiter, stünden die Ponys, Ziegen, Schafe, Esel und Lamas. Daneben sind im Park Minipigs, Meerschweinchen, Schildkröten, Wasservögel und weitere Tiere beheimatet, insgesamt über 200 Kreaturen.

Das «Weihermätteli» beteiligt sich zudem an verschiedenen Zuchtprogrammen, etwa mit dem Spiegelschaf, einer seltenen Rasse aus dem Prättigau, mit der Stiefelgeiss, die wegen ihrer üppigen Behaarung an den Beinen so heisst, oder mit der Walliser Schwarzhalsziege. Der Tierpark leistet somit einen wichtigen Beitrag, um den Fortbestand seltener Rassen zu sichern. Das Züchten sei eine Herausforderung, aber auch eine grosse Befriedigung, wenn die jungen Tiere zur Welt kommen, hält der Leiter fest. Die Zucht ist denn auch eine Kernaufgabe des neunköpfigen Teams um den diplomierten Landwirt und Landschaftsgärtner Christian Klaus und dessen Stellvertreter Thomas Zbinden. Ausserdem tragen zwei Lehrlinge, Patientinnen und Patienten aus der nahegelegenen Psychiatrie Baselland, Menschen mit einer IV-Rente sowie weitere Kräfte zum Wohlergehen der Tiere und zum Unterhalt der Anlagen bei.

Attraktiv für das Publikum
Wie Klaus weiter berichtet, war der Tierpark Weihermätteli Teil der damaligen Kantonalen Psychiatrischen Dienste. 2012 ging die Trägerschaft von der öffentlich-rechtlichen Anstalt Psychiatrie Baselland an die unabhängige Stiftung Tierpark Weihermätteli über. Die gemeinnützige Stiftung verfolgt den Zweck, den Betrieb und die Finanzierung des Tierparks auf Dauer zu sichern. Der Stiftungsrat entscheidet zusammen mit der Parkleitung zudem über das Halten neuer Tierarten. Pro Jahr benötigt der Tierpark rund eine halbe Million Franken. Dank der finanziellen Zusicherungen der Sponsoren Psychiatrie Baselland, Stadt und Bürgergemeinde Liestal sowie Beiträgen von weiteren Gemeinden, Firmen, Institutionen und Privatpersonen ist der Betrieb gesichert.

Der Park selbst bietet Ponyreiten, Kutschenfahrten, das Führen von Eseln und Lamas durch den Park und weitere Aktivitäten an und generiert so Einnahmen. Die Lamastube kann für Anlässe bis 40 Personen gemietet werden. Für besondere Anlässe, etwa den Ebenraintag in Sissach, sind die Tiere und der Streichelzoo auf Achse. Ebenso gibt es zwei Kinderspielplätze. Ferner verrichtet das Team um Klaus Gartenarbeiten für Dritte.

In den 14 Jahren, in denen Christian Klaus den Park mit viel Herzblut leitet, haben sich auch einige «Müsterli» angesammelt. So fand sich einst in einem Teich eine verrostete Pistole. Einmal büxte ein Hirsch wegen eines aufgeschnittenen Zauns aus. Vier Wochen später konnte das Tier nach einem Schuss aus dem Betäubungsgewehr wieder eingefangen und zur Herde zurückgebracht werden. Und eine Ente wählte zum Ausbrüten ihrer Eier den Ponystall aus. «Das Pony, die Ente und der Nachwuchs haben sich glänzend vertragen», erinnert sich Klaus.

Tiergestützte Therapie
Der Tierparkleiter stellt dem Publikum ein gutes Zeugnis aus. Wohl werde ab und zu illegal Abfall entsorgt. Auch das Fütterungsverbot und das Fahrverbot für Velos würden missachtet. Das seien jedoch Einzelfälle. Nur selten brauche es ein Machtwort des Personals. «Für die Psychiatrie Baselland und deren Vorgängerin war und ist das ‹Weihermätteli› sehr wichtig», hebt Klaus hervor. Tiergestützte Therapien unterstützten den Genesungsprozess von Patientinnen und Patienten enorm.

Der Tierpark Weihermätteli ist das ganze Jahr über rund um die Uhr geöffnet und frei zugänglich. Viele Tiere sind jedoch ab dem frühen Abend in den Stallungen. Wie viele Leute das «Weihermätteli» besuchen, weiss folglich niemand. «Aber die jährlich rund 20 000 Mal aufgerufene Website bestätigt, dass der Park sehr beliebt ist», gibt Christian Klaus zu verstehen.


Patenschaft für eine gute Sache

og. Der Tierpark Weihermätteli bietet auch Patenschaften an. Die bronzene kostet jährlich 50 Franken und beinhaltet eine Urkunde. Die silberne, Preis 200 Franken, enthält ausserdem eine Einladung zum jährlichen Patenschaftsapéro. Wer als Gotte oder Götti für die goldene Patenschaft 500 Franken lockermacht, wird darüber hinaus auf der Sponsorentafel vermerkt.
Die Patenschaft wird auf unbestimmte Zeit abgeschlossen. Sie ist jeweils per Ende Jahr unter Einhaltung einer dreimonatigen Frist kündbar.

Artikel aus der Volksstimme vom 10. Oktober 2019 (alle Rechte vorbehalten) / https://volksstimme.ch/2019/10/wenn-die-ente-beim-pony-einzieht.html

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